Auf der Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK), bei der prophetisches Zeugnis ganz oben auf der Tagesordnung stand, richteten die Delegierten ihr Augenmerk darauf, wie Glaubensgemeinschaften Ungerechtigkeit nicht nur durch Wohltätigkeit bekämpfen, sondern indem sie die Strukturen angehen, die sie verursachen.
Im Mittelpunkt stand die Global Reformed Advocacy Platforms for Engagement (GRAPE) – ein Programm, das Kirchen dabei hilft, Theologie in öffentliches Handeln umzusetzen. GRAPE wurde 2022 von der African Communion of Reformed Churches in Kenia und Südafrika ins Leben gerufen und schafft inklusive Advocacy-Plattformen, die Kirchen mit ökumenischen, interreligiösen und zivilgesellschaftlichen Partnern verbinden. Das Ziel ist einfach, aber radikal: vom Mitgefühl zur Transformation zu gelangen.
Theologie des Volkes
Für Rev. Dr. Dirk Haarmann, den Koordinator von GRAPE, hat das Programm eine tief theologische Grundlage.
„Wenn wir ernsthaft davon ausgehen, dass Gott sich direkt mit den Menschen identifiziert, die in Armut und Not leben, dann muss diese Überzeugung mit ganz konkreten Taten beantwortet werden – und genau das versucht GRAPE zu tun“, sagte er. „Diese theologische Prämisse bezieht sich auf die Menschen, nicht auf die Theorie.“
Seine Mitinitiatorin, Rev. Dr. Claudia Haarmann, beschrieb GRAPE als eine Brücke zwischen globaler theologischer Vision und lokalen Realitäten. „Es geht darum, die Kirchen aus ihren sicheren Räumen herauszuholen und Partnerschaften mit der Zivilgesellschaft einzugehen“, sagte sie.
Wie GRAPE funktioniert
Über einen Zeitraum von fünf Jahren entsendet GRAPE jährlich lokale Teams von fünf Personen in jedes Land. Diese Teams identifizieren die Ursachen von Ungerechtigkeit, arbeiten mit Kirchen und Gemeinden zusammen und bieten langfristige Schulungen an, um lokale Fürsprecher auszubilden.
„Auf diese Weise wird das globale Denken der WCRC in die lokalen Kirchen übertragen“, sagte Claudia Haarmann.
Ein wesentliches Merkmal der GRAPE-Methode ist die Verwendung kontextbezogener Bibelstudien, die die Reflexion über die Heilige Schrift mit der realen Welt verbinden. Auf der Generalversammlung lernten die Delegierten und Partner nicht nur das Programm kennen, sondern wurden auch eingeladen, sich daran zu beteiligen.
Kenia: Einsatz für das Recht auf Wasser
In Kenia, wo mindestens 20 Millionen der 55 Millionen Einwohner keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, konzentriert sich GRAPE in seiner Kampagne auf das universelle Recht auf sauberes Wasser.
Pfarrerin Lucy Wambui von der Presbyterianischen Kirche Ostafrikas, die zur kenianischen GRAPE-Gruppe gehört, skizzierte ein ehrgeiziges Ziel:
„Bis 2028 wollen wir eine garantierte Versorgung von 50 Litern sauberem und sicherem Trinkwasser – oder eine entsprechende Entschädigung in bar – für jeden Menschen pro Tag“, sagte sie.
Dabei gehe es nicht nur um die Bereitstellung von Wasser, erklärte Wambui, sondern um die Sicherung von Gerechtigkeit als Menschenrecht.
Südafrika: Bekämpfung wirtschaftlicher Ungleichheit
In Südafrika konzentriert sich GRAPE darauf, die tiefen wirtschaftlichen Gräben zu überwinden, indem es sich für ein universelles Grundeinkommen von mindestens 760 Rand pro Monat für alle Erwachsenen im Alter von 18 bis 59 Jahren bis 2028 einsetzt.
Rev. Bonganjalo Mbenenge von der Uniting Reformed Church in Southern Africa betonte, dass echte Veränderungen aus den Gemeinden selbst kommen müssen.
„Unsere Strategie ist ganz klar: Sie ist lokal. Die Menschen vor Ort müssen ihren Kampf selbst führen“, sagte er. „Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem wir uns fragen: Wie können wir die Regierung dazu bewegen, ihre Politik zu ändern? Wenn wir die Situation in unserem Land ändern wollen, müssen wir an die Wurzel des Problems gehen – und das bedeutet, die Regierung zur Verantwortung zu ziehen.“
Er forderte die weltweite Kirche auf, weiterhin solidarisch zu bleiben.
„Ich wurde in den 80er Jahren während der Kämpfe gegen die Apartheid geboren, als internationale Gremien dazu beitrugen, die Dynamik in Südafrika zu verändern“, erinnerte er sich. „Sie können das wieder tun. Der Kampf für Gleichberechtigung muss weitergehen.“
Wachsende globale Solidarität
Den Teilnehmern des GRAPE-Workshops wurde eine kritische Frage gestellt: Welche Maßnahmen könnten Kirchen und die WCRC ergreifen, um internationale Solidarität mit den Kampagnen in Kenia und Südafrika aufzubauen?
Es gab zahlreiche Ideen – von der Organisation von Sensibilisierungskampagnen und politischer Lobbyarbeit bis hin zur spirituellen und emotionalen Unterstützung für Aktivisten, die unter Druck stehen.
Zum Abschluss der Sitzung sprach Rev. Wambui ein Gebet und erinnerte die Teilnehmer daran, dass Gerechtigkeit immer auf Mitgefühl beruhen muss.
„Im Kern geht es bei GRAPE darum, die Moral und Ethik der Menschenwürde zu betonen“, sagte sie. „Lasst uns weiter reden, weiter in Verbindung bleiben und weiter handeln.“
Übersetzung mit DeepL
